Zitat von Pia aus dem Artikel:

Shurjoka über ihre Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen

Pia Scholz ist als Shurjoka selbstständige Streamerin mit über 233.000 Follower auf Twitch. Neben Strategie-Spielen, Indie-Titeln und Collabs mit anderen Gamern spricht sie auch über gesellschaftspolitische Themen. Sowohl in ihren Streams als auch auf anderen sozialen Plattformen nimmt sich die bald 25-jährige kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Themen Gerechtigkeit, Anti-Diskriminierung oder die Rechte von Minderheiten geht. Aber auch der Umgang mit psychischer Belastung wird immer wieder zum Thema. Wir haben Pia gebeten, ihre persönlichen Erfahrungen, Tipps und Tricks mit der #darüberredenwir Community zu teilen.

Foto: Credits: Tarek Siewert

Wir kommen um die erste Frage wohl nicht ganz herum daher: Wie geht es? Wie geht es dir wirklich?

Mir geht es gut. Also wirklich, wirklich gut. Die Zeit zwischen Herbst und Winter ist bei mir jedes Jahr eine Herausforderung. Wenn das Wetter kalt und grau wird und man gefühlt über Tage keine Sonne erlebt, drückt das immer massiv auf mein Wohlbefinden. Früher war das, in Kombination mit dem Schul- und Arbeitsstress, oft ein Auslöser für eine depressive Episode, mittlerweile krieg ich mich davor gut selbst aufgefangen.

Als Streamerin sind deine Hauptthemen Strategie-Spiele, Indie-Titel und ähnliches. Wie kommt es, dass auch psychische Belastungen und Erkrankungen immer wieder zum Thema werden?

Meine Erkrankung gehört nun mal zu meinem Leben dazu, auch wenn ich es wollen würde, kann ich sie nicht aus meinem Alltag ausklammern. Ich sehe auch keinen Mehrwert darin die Krankheiten öffentlich zu verstecken. Mir persönlich hat es immer sehr geholfen, mich mit anderen Betroffenen auszutauschen, um zu sehen, dass ich eben nicht die Einzige damit bin und mir auch alltägliche mentale Werkzeuge von anderen abzuschauen und dadurch zu lernen.

Erkennst du einen Zusammenhang zwischen der psychischen Gesundheit und deiner Arbeit als Streamerin?

Auf jeden Fall, ja. Aber alles in unserem Leben hat einen Einfluss auf unsere psychische Gesundheit. Die größte Belastung durch meinen Beruf ist die Öffentlichkeit – durch das Internet und die Livestream-Formate interagiere ich mit mehreren tausenden Menschen gleichzeitig und das fast täglich. Diese Menschen wollen kommunizieren, haben aber auch eine Erwartungshaltung an mich, und wenn ich diese nicht erfülle, kann es schnell sehr hässlich werden. Das baut Druck auf, und der kann sich auch langfristig auf meine Erkrankungen auswirken.

Gleichzeitig mache ich mich vor allem mit meinen gesellschaftlichen Themen leicht zur Zielscheibe für Hass und Anfeindungen im Netz. Wenn man eine starke, eigene Meinung vertritt – auch dann wenn diese völlig normal sein sollte – wird einem trotzdem von anonymen Fremden widersprochen. Es ist ein konstantes kommunikatives Aneinanderreiben von Fronten, das manchmal sehr ermüdend sein kann.

Pia Scholz lächelt in die Kamera.

Erkennst du einen Zusammenhang zwischen der psychischen Gesundheit und deiner Arbeit als Streamerin?

Auf jeden Fall, ja. Aber alles in unserem Leben hat einen Einfluss auf unsere psychische Gesundheit. Die größte Belastung durch meinen Beruf ist die Öffentlichkeit – durch das Internet und die Livestream-Formate interagiere ich mit mehreren tausenden Menschen gleichzeitig und das fast täglich. Diese Menschen wollen kommunizieren, haben aber auch eine Erwartungshaltung an mich, und wenn ich diese nicht erfülle, kann es schnell sehr hässlich werden. Das baut Druck auf, und der kann sich auch langfristig auf meine Erkrankungen auswirken.

Gleichzeitig mache ich mich vor allem mit meinen gesellschaftlichen Themen leicht zur Zielscheibe für Hass und Anfeindungen im Netz. Wenn man eine starke, eigene Meinung vertritt – auch dann wenn diese völlig normal sein sollte – wird einem trotzdem von anonymen Fremden widersprochen. Es ist ein konstantes kommunikatives Aneinanderreiben von Fronten, das manchmal sehr ermüdend sein kann.

Fotoquelle: https://twitter.com/Shurjoka

Was sind deine Erfahrungen mit der Behandlung von psychischen Erkrankungen (also Therapie, Fachärzt*innen, Meds…)?

Ich war jahrelang in psychotherapeutischer Behandlung, genauer gesagt achteinhalb Jahre am Stück. Die meiste Zeit bei einer wundervollen Psychotherapeutin, die mir vermutlich mehr über das Leben, Erwachsenwerden und meine Gesundheit beigebracht hat als meine Eltern. Es hat allerdings einige Anläufe gebraucht bis ich diese Therapeutin gefunden habe und durch meine herausfordernde Kindheit waren die ersten Anlaufstellen Gespräche mit Sozialarbeiter:innen beim Jugendamt. Es folgten einige, durch meine Mutter verursachte Wechsel und dann war ich auch mehrfach auf der Kinderpsychiatrie, da wurden die ersten Vermutungen und dann auch letztendlich die erste Diagnose gestellt. Mir wurden zwischenzeitlich auch Medikamente verschrieben, diese habe ich aber seit mehreren Jahren erfolgreich abgesetzt.

Wie alt warst du, als deine erste Diagnose erhalten hast?

Die erste vorsichtige Vermutung zu meiner Depression wurde von professioneller Seite gestellt, als ich 11 Jahre alt war. Damals war es aber mehr eine Möglichkeit, die man ausschließen wollte, und der Hauptfokus lag auf „präpubertierendem Verhalten“ und „Verdacht auf Lernschwäche“. Als die vermutete Lernschwäche auf der Kinderpsychiatrie nicht nachgewiesen werden konnte, hat man mich beim Jugendamt erst einmal als klassische „Problemjugendliche“ gebranded und die weitere Suche nach gesundheitlichen Ursachen wurde zur Seite geschoben.

Mit 14 bekam ich dann final eine Diagnose zur Depression und auch zur bipolaren Persönlichkeitsstörung, aber auch mit dem Hinweis, dass das in dem Alter, aber vor allem durch die damals dann bekannte, herausfordernde Lebenssituation und mein gewalttätiges Umfeld, schwer in ihrem ganzen Ausmaß zu diagnostizieren sei. Mittlerweile sind Depression und „Bipo“ zweifellos festgestellt, aber es ist schwer zu sagen, ob diese über die Jahre leichter wurden oder mein mittlerweile sehr ruhiges, liebevolles Umfeld und meine erfolgreiche Therapie mir ein vergleichsweise so unbeschwertes Leben ermöglichen.

Was hat die Diagnose für dich bedeutet?

Das ist mittlerweile so viele Jahre her, dass es schwer ist, noch genau in Worte zu fassen, was das in mir ausgelöst hat. Ich denke, es war zuerst einmal Erleichterung, denn mir war ja bis dato von meinem Umfeld konstant suggeriert worden, ich sei das Problem und es wäre meine individuelle Entscheidung, eben kein Problem zu sein. Mir wurde die gesamte Verantwortung für jeglichen Stress, jeglichen Streit, jegliche Herausforderung in der Familie zugeschoben, und das kann man als Jugendliche, weder mit noch ohne Erkrankung, nicht unbeschadet übernehmen.

Es hat geholfen, dass andere Erwachsene, wenn auch nicht meine Familie, plötzlich Verständnis zeigen wollten, für das, was mit mir los ist und wie es mir geht, und das mir wirklich ernsthaft zugehört wurde. Dann folgte große Verzweiflung, denn die erste Diagnose habe ich durch einen Aufenthalt in der Psychiatrie bekommen und die Ärztin dort, hatte nicht so ein gutes Händchen im Umgang mit so jungen Menschen. Sie hat mir sehr eindeutig gemacht, dass es für diese Art von psychischen Erkrankungen keine Heilung gibt, und dass ich lernen werde müssen, damit zu leben. Ich dachte damals, ich würde niemals glücklich sein können, das hat viel in mir gebrochen.

Was sind die größten Stressfaktoren und Belastungen für dich?

Wenn es zu Konflikten mit Menschen kommt, die mir sehr wichtig sind. Ich bin sehr belastbar, wenn es um die Arbeit geht, als wäre das ein eigener Stressmagen aber Stress im privaten Umfeld schmeißt mich mega aus der Bahn. Ich brauche eine entspannte, ausgeglichene Atmosphäre zu Hause, weil das mein mentaler Reset-Ort ist.

Was machst du, wenn du merkst, es wird alles zu viel?

Pausen. Das klingt so simpel, aber tatsächlich war es eine riesige Herausforderung für mich zu akzeptieren, dass auch ich an meine Grenzen komme und dann Pause machen muss. Es steht ein wenig im Konflikt mit den eigenen Werkzeugen, die ich für mich gefunden habe, denn ich versuche eigentlich, im Alltag immer beschäftigt zu sein, damit mein Kopf in keine Spirale gerät. Bewusst Pause zu machen, ohne dass es sich wie Down-Time anfühlt und meine Depression mich dann einholt und verhindert, dass ich wieder hochkomme, war eine der größten Herausforderungen der letzten Jahre. Diese Pausen können bedeuten, dass ich mit den Hunden in den Wald fahre, einen Tag mehr auf der Ranch bei den Pferden verbringe oder dass ich wirklich mal einen Tag im Bett bleibe, Essen bestelle und Serien schaue.

Was machst du, wenn du merkst, es wird alles zu viel?

Pausen. Das klingt so simpel, aber tatsächlich war es eine riesige Herausforderung für mich zu akzeptieren, dass auch ich an meine Grenzen komme und dann Pause machen muss. Es steht ein wenig im Konflikt mit den eigenen Werkzeugen, die ich für mich gefunden habe, denn ich versuche eigentlich, im Alltag immer beschäftigt zu sein, damit mein Kopf in keine Spirale gerät. Bewusst Pause zu machen, ohne dass es sich wie Down-Time anfühlt und meine Depression mich dann einholt und verhindert, dass ich wieder hochkomme, war eine der größten Herausforderungen der letzten Jahre. Diese Pausen können bedeuten, dass ich mit den Hunden in den Wald fahre, einen Tag mehr auf der Ranch bei den Pferden verbringe oder dass ich wirklich mal einen Tag im Bett bleibe, Essen bestelle und Serien schaue.

Fotoquelle: https://twitter.com/Shurjoka

Hast du allgemeine Tipps dafür, wie du auf deine Psyche achtest?

Es ist superschwer allgemeine Tipps zur Psyche zu geben, weil die Psyche von Menschen völlig unterschiedlich funktioniert und sogar die gleichen Diagnosen ganz anders auftreten können. Die meisten psychischen Erkrankungen und Belastungen liegen auf einem Spektrum, es gibt leider keine leichte 1-zu-1-Anleitung, die für jeden funktioniert. Ich hab‘ als Jugendliche oft auf Dark Souls als Analogie für meine Depression zurückgegriffen, wenn mir alltägliche Aufgaben wie Zähne putzen oder die Hunde füttern vorgekommen ist, als wäre es unüberwindbar, habe ich mir vorgestellt, es wäre ein Dark Souls Boss, den ich besiegen muss und dass ich super stolz sein darf, wenn ich das schaffe. Gleichzeitig kann man sich bei Dark Souls in einem Run nicht regelmäßig heilen, also muss man selber im Blick behalten, wann man sich einen Bosskampf stellt oder doch erst den nächsten Checkpoint sucht. Es ist eine Analogie, die sich viel damit beschäftigt, die Kontrolle über sich selbst zurückzubekommen. Zu lernen, dass man zwar mit psychischen Krankheiten klarkommen muss, aber das man selbst die Regeln und Wege definieren kann und die Krankheiten nicht alles in deinem Leben beherrschen müssen, wenn du es schaffst die früh genug Grenzen zu setzen und dir damit den Anlauf ermöglichst, deine Hürden bewusst und gewählt dann zu besiegen, wenn du die Kraft dafür hast.

Was möchtest du der #darüberredenwir Community mitgeben?

Ich lebe seit über 10 Jahren mit einer chronischen Depression und einer bipolaren Persönlichkeitsstörung, diese Krankheiten haben mich in die Knie gezwungen und über Jahre dazu gebracht, in einem suizidalen, manischen Alltag auszuharren, aus dem ich mich nicht aus eigener Kraft befreien konnte. Es hat lange gebraucht, aber ich habe gelernt, um Hilfe zu bitten, Hilfe anzunehmen, zu verstehen, dass ich all das nicht alleine schaffen muss und es so viel zu lernen gibt, dass man sich davor gar nicht vorstellen kann, aber zu Werkzeugen wird, die so viel ermöglichen. Und jetzt mit 25 bin ich trotz Diagnose, einer der glücklichsten und lebensfrohsten Menschen, die ich kenne. Sich professionelle Hilfe zu suchen, zeigt von wahrer Stärke, habt keine Angst davor.


Pia, geboren am 04.10.1997 in Graz, lebt und arbeitet derzeit in Berlin. Sie begann im Alter von 17 Jahren zu streamen. Die fehlende Unterstützung ihrer Eltern hielt sie nicht davon ab, ihren Weg zu finden. Sie machte sich selbstständig und erhöht seit 2018 ständig ihre Bekanntheit. Heute lebt sie in Berlin und zählt zu den bekanntesten Streamerinnnen im deutschsprachigen Raum. Sie setzt sich gegen Sexismus, Rassismus, Homo- und Transphobie ein.

Ihr findet Pia unter anderem auf folgenden Plattformen:

Twitch: Shurjoka

Twitter: @Shurjoka

Youtube: @Shurjoka

Instagram: @shurjoka

#NeueMännlichkeiten für die Psyche

#NeueMännlichkeiten für die Psyche – Männergesundheit im Fokus

Es ist Movember – das Monat der Männergesundheit! Das werden wir nutzen, um den Fragen nach heutigen Männlichkeit(en) auf den Grund zu gehen. Was können Männer, was dürfen sie und was sollen sie? Was bedeutet „Mann sein“ im 21. Jahrhundert? Und warum sind diese Fragen relevant für die Gesundheit?

Männer und Gesundheit

Der Monat November dient dazu, das Bewusstsein rund um die Gesundheit von Männern zu fördern. Das betrifft natürlich auch die psychische Gesundheit. Egal ob anhaltende Knieschmerzen, eine gebrochene Hand oder psychische Krisen – professionelle Hilfe, frühmöglichste Behandlung und Achtsamkeit sind in allen Fällen notwendig. 2004 erschien der erste Österreichische Männergesundheitsbericht mit besonderer Berücksichtigung der Männergesundheitsvorsorge. Hier zeigte sich, dass sich Männer, statistisch gesehen, im Durchschnitt gesünder einschätzen als sie sind.

Darin steht auch:

„Bei Männern dürfte es der gegenwärtigen Rollenerwartung entsprechen, weniger sorgsam mit dem eigenen Körper zu sein, als Frauen.”

1. Österreichischer Männergesundheitsbericht

Die Folge davon: 

  • Männer neigen beruflich und in der Freizeit zur Überbeanspruchung ihres Körpers und bemerken Probleme später als Frauen, die regelmäßig einen Frauenarzt konsultieren
  • Bei Männern wird erst in einem höheren Lebensalter die Notwendigkeit der regelmäßigen Untersuchung durch einen Urologen evident. 
  • Selbst wenn Männer im höheren Lebensalter um die Notwendigkeit von Vorsorgeuntersuchungen Bescheid wissen, nehmen sie diese meist erst in Anspruch, wenn eine deutliche Symptomatik aufgetreten ist. 

Rollenbilder und Männlichkeit

Bereits der vor mehr als 15 Jahren erschienene Bericht stellte fest, dass “Rollenerwartungen” von und an Männer ihre Gesundheit beeinträchtigt. Auch andere Rollenklischees hindern Burschen und Männer daran, die Hilfe in Anspruch zu nehmen, die sie brauchen: “Männer reden nicht über ihre Gefühle”, “Männer weinen nicht”, usw.. Das zeigt sich auch beim Thema psychische Erkrankungen. Denn einerseits ist das Aufsuchen von Unterstützung schwieriger, andererseits sind die Symptome etwa bei einer Depression andere als bei Frauen. Depressive Symptome sind bei Männern eher Aggression, Gereiztheit oder exzessiver Konsum. 

Das Bild von Männlichkeit ist geprägt von Schlagwörtern wie Stärke, Kraft, Durchsetzungsvermögen und Dominanz. Dieses Bild schadet nicht nur der Gesellschaft, sondern auch dem einzelnen Mann. Daher wollen wir uns im Movember mit neuen Perspektiven und Ansätzen beschäftigen. 

Quellen:

Neun Tipps, die helfen können

Offen über psychische Erkrankungen zu sprechen, erfordert Mut. Auf Twitter hat genau diesen Mut @FrauBadbits vorgemacht. Denn offen über unsere psychische Gesundheit zu reden, das kann auch anderen Kraft und Hoffnung geben. @FrauBadbits leidet unter Posttraumatische Belastungsstörung, Depressionen und Angststörungen. Nachdem sich die Panikattacken in letzter Zeit deutlich verringert haben und Angstzustände schon monatelang nicht mehr eingetreten sind, hat sie zusammengefasst, was ihr persönlich geholfen hat. Via Twitter hat sie diese Tipps geteilt – um anderen nicht nur Inspiration zu geben, sondern durch ihre persönlichen Erfahrungen auch Hoffnung zu erzeugen:

sich gegenseitig Halt geben
Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash

1. WATCH YOUR BODY Ok ok, das machen Panikler*innen sowieso vielleicht ein bisschen zu viel. Aber macht es trotzdem, nur eben richtig. Lasst euch EINMAL von Ärzt*innen durchchecken. Wirklich. Nur ein einziges Mal. Und zwar nicht auf eine super seltene Krankheit, sondern lasst nachsehen, ob die gängigsten Auslöser für Angst und Depressionen bei euch ok sind. Das sind die Schilddrüse und Nährstoffe. Bei den Nährstoffen am üblichsten: Eisen, Zink, Selen, Jod, B12 und D3 Ist alles bei euch okay, dann ist es die Psyche. Und das ist nicht schön, aber ok.

Wieso das so wichtig ist? – ihr habt die Gewissheit, dass ihr körperlich ok seid und das hilft – wenn es euch körperlich nicht gut geht, seid ihr psychisch auch weniger widerstandfähig. Das ist normal. – wenn‘s eine körperliche Ursache hat, könnt ihr machen was ihr wollt: Es wird nicht besser, wenn die Ursache nicht behoben wird.

2. MOVE THAT ASS „Mach doch einfach Sport“ hat noch nie jemanden geholfen. Wird es auch nicht. Menschen mit Depressionen können nämlich oft gar kein Sport machen. Wenn sie es könnten, ginge es ihnen nicht so schlecht, wie es ihnen geht und das wäre schon gut. ABER:

Bewegung hilft leider tatsächlich. Und dabei muss es nicht mal Sport sein. Aufräumen, spazieren … die alltäglichen Dinge eben helfen oft auch schon. Und wenn‘s ganz doll am Antrieb hapert, hilft es mir immer, einen Timer zu stellen. Ich kann nicht alles schaffen, aber ich kann 5 oder 10 Minuten zumindest etwas schaffen. Und man fühlt sich gleich besser. Und zum Sport … tja.. also wenn ich einem psychisch kranken Menschen eine „Sportart“ empfehlen müsste, wäre es Yoga. Und zwar aus guten Gründen. Yoga hilft erwiesenermaßen am allerbesten. Wieso?

Ganz einfach. Man hampelt nicht sinnlos rum. Man kommt ins spüren. Man meditiert, kommt zur Ruhe und strengt sich doch manchmal ganz schön an. Alles in einem, sozusagen. Und man kann seine Praktik immer seiner Laune anpassen. Insbesondere „Umkehrhaltungen“ helfen ungemein, weil

Frau beim Betreiben von Sport
Photo by Emma Simpson on Unsplash

3. BE SPIDER(WO)MAN Spinn dir ein Sicherheitsnetz. Such dir Leute, die dich verstehen. Online, in Selbsthilfegruppen. Vertrau dich Freunden und Familie an. Psychiater*innen, Therapeut*innen – alles was irgendwie helfen kann. Spinn dir ein Netz. Das ist mit das allerwichtigste!

4. FEED YOUR SOUL Mach mal die Augen zu. Also nur kurz. Atme mal tief ein und aus. Und dann frage dich, was dir gerade guttun würde. Irgendwas realistisches. Und wenn dir nichts einfällt: was hat dir in der Vergangenheit gutgetan? Wo hast du dich wohlgefühlt? Wobei hattest du Spaß? Wo konntest du Kraft tanken? Vielleicht möchtest du im Wald spazieren. Oder mal wieder schwimmen gehen. Vielleicht auch nur eine Tasse Tee trinken. Oder einen extra leckeren Kuchen essen. Was auch immer es ist, was dir guttut: tu es. So oft es geht. So viel es geht.

5. DANCE LIKE NO ONE IS WATCHING Das Leben ist ein Tanz. Kein Sprint. Nicht mal ein Marathon. Es ist ein Tanz. Mal gehts 2 Schritte vor, dann einen zurück. Vielleicht auch mal einen zur Seite. Wie auch immer. Tanze einfach in deinem Rhythmus.

Es ist völlig okay, wenn du ein paar Fortschritte gemacht hast und dann ein Rückschlag kommt. Oder wenn du merkst, dass du mit deiner Strategie nicht weiterkommst und du dann eine andere ausprobierst. Es ist nicht nur okay, sondern es ist richtig richtig gut, denn so lernst du unfassbar viel über dich und das Leben. Such dir den Soundtrack deines Lebens aus und dann Tanz dazu.

6. THE BEST VERSION OF YOU IS YOU Klingt komisch, ist aber so. Es gibt Gründe, sehr gute Gründe, warum es dir momentan nicht gut geht. Das ist nicht schön, aber okay. Du musst da sein, wo du gerade bist und wie du gerade bist, denn das ist genau richtig. Und wenn du das akzeptiert hast, dann mach nochmal die Augen zu, atme noch mal und dann stell dir mal vor, wie du wärst, wenn du absolut psychisch gesund und glücklich wärst. Wie würde sich das anfühlen? Was wäre in deinem Leben anders? Was würdest du anders machen? Mach‘s!

7. BETTER SAVE THAN SORRY Macht euch einen Notfallplan. Wenn ihr wisst, dass ihr in eine für euch schwierige Situation macht, bereitet euch vor. Fragt euch, was das absolute Worst-Case-Szenario ist (das wisst ihr ja eh) und dann überlegt euch Handlungsoptionen.

Beispiel: ich bin mit BFK alleine zuhause. Worst-Case: er verletzt sich und muss ins Krankenhaus. Und ich hab kein Auto. Handlung im Fall: Rettungswagen rufen Alternativer Gedanke: bisher ist das noch nicht passiert. Ich kann gut auf mich und mein Kind aufpassen.

Notausgang-Schild
Photo by Andrew Teoh on Unsplash

8. KNOW YOUR ENEMY Psychische Erkrankungen haben viele Gesichter. Und zwar alle. Kenne deine ganz genau. Erkenne sie frühzeitig. Lerne alles über deine Erkrankung. Je besser du sie verstehst, desto besser kannst du dich wappnen. Wusstet ihr zum Beispiel, dass man sein Gehirn voll gut verarschen kann? Wenn man 2 Minuten lächelt, fängt das Gehirn an, Glückshormone auszuschütten. Die Muskeln, die man zum Lächeln braucht sagen den Nerven „keine Ahnung warum, aber ich scheine fröhlich zu sein“ und die Nerven sagen „ok alles klar, ich sag’s dem Gehirn“. Das Gehirn checkt die Lage und denkt sich „komisch, fröhlich sehe ich hier nicht, aber die Muskeln müssen es ja wissen. Hier paar Botenstoffe, will ja niemandem im Weg stehen“

9. IT’S ONLY CHEMISTRY Bei psychischen Erkrankungen herrscht immer ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn vor. Das kann man ausgleichen. Mit Sport zum Beispiel. Es sei denn, man ist krank, dann nicht. Weil man dann kein Sport machen kann. Aber dann kann man Medikamente nehmen, die dafür sorgen, dass es euch besser geht im besten Fall. Viele Antidepressiva zum Beispiel funktionieren so, dass sie die Wiederaufnahme von Serotonin hemmen. Das bedeutet, Serotonin (macht glücklich) bleibt länger im synaptischen Spalt. Ich will jetzt nicht so sehr ausschweifen. Nur kurz gesagt: die eine Zelle sagt der anderen länger, dass es euch gut geht. Man kann’s ja mal probieren.

Nachtrag: mein Wissen bezüglich Antidepressiva ist offensichtlich veraltet. Das liegt daran, dass ich mich 1x schlau gemacht hab, bevor ich zum ersten Mal welche nahm. Das war mit 18 – seitdem nicht mehr, weil es für mich plausibel klang und die Medikamente mir heute noch helfen.